Montag, Mai 27, 2024
 

Abgelaufene Medikamente: Was sollten Sie Ihren Kunden raten?

Apotheker sind die erste unmittelbare Anlaufstelle für Patienten, um sich über Arzneimittel und deren korrekte Anwendung zu erkundigen. Sie sind daher am besten in der Lage, den Patienten Auskunft über die möglichen umweltbelastenden Folgen einer nicht fachgerechten Entsorgung von abgelaufenen Medikamenten und die verschiedenen umweltfreundlichen Optionen zu geben.

Es ist wichtig, die Patienten daran zu erinnern, nicht verwendete Medikamente gerade auch aus Umweltgründen in der Apotheke oder in einem Entsorgungszentrum abzugeben. Jedes Medikament hat ein Verfallsdatum. Es gilt als abgelaufen, wenn die ursprüngliche Konzentration des Hauptwirkstoffs um 10 %, bei manchen Produkten sogar um 5 % oder auch weniger gesunken ist, was z. B. bei Medikamenten zutrifft, die mit der Zeit eine Veränderung erfahren, die zu einer Bildung toxischer Verbindungen oder Abbauprodukte führt.

Die Haltbarkeit wird unter normalen Lagerungsbedingungen errechnet. Sie ändert sich, wenn das Arzneimittel verschiedenen äusseren Einflüssen ausgesetzt ist, wie z. B. Hitze oder Kälte. Ausserdem gilt das Datum nur für ungeöffnete Produkte. Einmal angebrochen sind Medikamente viel anfälliger. Es ist wichtig, daran zu denken, dass ein Medikament nicht nur aus dem Wirkstoff besteht.

Die Stabilität des Arzneimittels hängt auch von den Hilfsstoffen und der Arzneiform ab. Mit anderen Worten: Eine Tablette, ein Sirup oder eine Salbe sind nicht gleich lange haltbar. Am empfindlichsten sind Medikamente in flüssiger und gesüsster Form. Augentropfen neigen aufgrund des Risikos einer mikrobiellen Verunreinigung dazu, schneller zu verderben. Während feste Arzneiformen, wie z. B. Aspirintabletten, jahrelang aufbewahrt werden können. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Lagerungsbedingungen eine zentrale Rolle spielen, denn die vier grössten Feinde der Medikamente sind: Wasser, Sauerstoff, Licht und Temperatur.

Weitergeben oder wegwerfen ist keine gute Idee!

Medikamente sind ein besonders umweltschädlicher Abfall. Sie können die Umwelt belastende Verbindungen oder Stoffe enthalten, wie z. B. Hormone, nichtsteroidale Entzündungshemmer, Antibiotika, Malariamittel, Antioxidantien, Konservierungsmittel und Farbstoffe. Ausserdem können sie aus umweltgefährdenden Stoffen wie Quecksilber, Cadmium, Blei, Arsen und Chrom hergestellt sein. Darüber hinaus belasten auch die Verpackungen von Medikamenten wie bspw. Plastikflaschen und Blisterverpackungen die Umwelt.

Erinnern Sie Ihre Kunde daher gern daran, dass abgelaufene Medikamente ordnungsgemäss entsorgt werden müssen, um nicht nur Umwelt-, sondern auch Gesundheitsrisiken zu vermeiden. Medikamente sollten niemals die Toilette oder den Ausguss hinuntergespült werden. Mehrere Studien haben Spuren von Arzneimittelrückständen in Oberflächengewässern wie Flüssen und Seen sowie in einigen Trinkwasserquellen nachgewiesen. Die Internationale Kommission für den Schutz der Gewässer des Genfersees (CIPEL) hat mehrere Untersuchungen veröffentlicht, in denen die Menge an Arzneimitteln im Wasser des Sees auf mehrere Tonnen geschätzt wurde. Medikamente sollten auch nicht einfach im Abfall entsorgt werden, da medizinische Abfälle für die Arbeiter, die sie einsammeln, eine Gefahr darstellen können.

Natürlich ist es auch wichtig, den Verbraucher daran zu erinnern, dass Medikamente nicht an Personen weitergegeben werden sollen, denen sie nicht verschrieben wurden, denn das kann gefährlich werden. Ein spezielles Medikament ist in einer bestimmten Person wirksam und kann zu individuell unterschiedlichen Nebenwirkungen führen. Die Dosis und die Häufigkeit der Einnahme von Medikamenten können je nach Alter, Gewicht und medizinischer Verfassung einer Person variieren. Zudem können einige Arzneimittel mit anderen Behandlungen oder anderen wirksamen Substanzen interagieren, was unerwünschte Nebenwirkungen zur Folge haben kann.

Was sollten Sie Ihren Kunden nun raten?

Die Verordnung über den Verkehr mit Abfällen (VeVA) stuft abgelaufene oder unbenutzte Medikamente als Sondermüll ein. Daher können abgelaufene oder von Patienten nicht mehr verwendete Medikamente in Apotheken oder Sammelstellen zurückgegeben werden. Anschliessend werden sie in Haus- oder Sondermüllverbrennungsanlagen bei hohen Temperaturen verbrannt.

In einigen Kantonen sind die Apotheken gesetzlich verpflichtet, alle abgelaufenen Medikamente sowie sonstige Sonderabfälle (Lösungsmittel, Quecksilberthermometer,

alkalische Lösungen, Säuren und andere Chemikalien) von Privatpersonen kostenlos entgegenzunehmen, auch wenn diese sie über andere Vertriebswege erworben haben.

Es ist in jedem Fall sinnvoll, dass Apotheken ihre Kunden über die angebotene Serviceleistung sowie über die ordnungsgemässe Entsorgung von abgelaufenen Medikamenten informieren, und zwar unabhängig davon, ob sie diese Sammlung selbst durchführen oder nicht.

Vita-OTC

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